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Was ist politische Verfolgung?

Definition der politischen Verfolgung

Politische Verfolgung bezeichnet staatliche oder staatlich geduldete Maßnahmen gegen Personen oder Gruppen aufgrund ihrer politischen Überzeugungen, ihrer Meinungsäußerung, ihrer Opposition gegen die Regierung oder ihres Engagements für demokratische und gesellschaftliche Veränderungen. Ziel politischer Verfolgung ist häufig, Kritik zu unterdrücken, oppositionelle Bewegungen zu schwächen oder die bestehende Machtordnung zu sichern.

Politische Verfolgung kann in autoritären Staaten, Diktaturen und totalitären Regimen besonders ausgeprägt sein, sie kann jedoch auch in demokratischen Staaten auftreten, wenn rechtsstaatliche Prinzipien verletzt oder politische Rechte unzulässig eingeschränkt werden.

Merkmale politischer Verfolgung

Politische Verfolgung äußert sich in unterschiedlichen Formen. Zu den häufigsten gehören:

  • willkürliche Festnahmen,
  • politisch motivierte Strafverfahren,
  • Inhaftierung politischer Gegner,
  • Folter oder Misshandlung,
  • Überwachung durch Geheimdienste,
  • Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit,
  • Berufsverbote,
  • Reiseverbote,
  • Ausbürgerung oder Entzug der Staatsangehörigkeit,
  • Zensur,
  • Einschüchterung von Oppositionellen,
  • Verfolgung von Journalisten, Wissenschaftlern oder Künstlern.

Nicht jede strafrechtliche Verfolgung politisch aktiver Personen ist automatisch politische Verfolgung. Entscheidend ist, ob staatliche Maßnahmen überwiegend der Ahndung tatsächlicher Straftaten dienen oder ob sie in erster Linie darauf abzielen, legitime politische Überzeugungen oder oppositionelles Engagement zu unterdrücken.

Wer kann betroffen sein?

Politische Verfolgung kann viele unterschiedliche Personengruppen treffen, darunter:

  • Oppositionspolitiker,
  • Journalisten,
  • Menschenrechtsverteidiger,
  • Blogger,
  • Wissenschaftler,
  • Künstler,
  • Gewerkschafter,
  • religiöse Minderheiten,
  • ethnische Minderheiten,
  • Studenten,
  • Demonstrierende,
  • Whistleblower.

Auch Familienangehörige oder Unterstützer politisch aktiver Personen können von staatlichen Repressionen betroffen sein.

Formen politischer Verfolgung

Politische Verfolgung beschränkt sich nicht auf Freiheitsentzug.

Sie kann sich unter anderem äußern durch:

  • Einschränkung der Berufsausübung,
  • Ausschluss aus Bildungseinrichtungen,
  • Vermögensbeschlagnahmung,
  • öffentliche Diffamierung,
  • digitale Überwachung,
  • Zwangsexil,
  • Entzug von Reisedokumenten,
  • Einschüchterung durch Sicherheitsbehörden,
  • staatliche Diskriminierung.

In modernen Gesellschaften können politische Repressionen sowohl offen als auch verdeckt erfolgen.

Politische Verfolgung im Völkerrecht

Das Recht auf Schutz vor politischer Verfolgung ist in verschiedenen internationalen Abkommen verankert.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948),
  • die Genfer Flüchtlingskonvention (1951),
  • der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (1966),
  • die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK).

Diese Dokumente schützen unter anderem:

  • die Meinungsfreiheit,
  • die Versammlungsfreiheit,
  • die Religionsfreiheit,
  • das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren,
  • den Schutz vor willkürlicher Inhaftierung.

Politische Verfolgung und Asyl

Nach der Genfer Flüchtlingskonvention sowie den Asylgesetzen vieler Staaten können Menschen Schutz erhalten, wenn sie wegen ihrer politischen Überzeugung verfolgt werden.

Als politische Verfolgung gelten dabei je nach den Umständen unter anderem:

  • drohende Freiheitsstrafen aus politischen Gründen,
  • Folter,
  • unmenschliche Behandlung,
  • schwere Einschränkungen grundlegender Freiheitsrechte,
  • staatliche Gewalt gegen politische Opposition.

Ob eine Person internationalen Schutz erhält, wird jeweils anhand der individuellen Umstände des Einzelfalls geprüft.

Quellen

  • Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (UN, 1948); Genfer Flüchtlingskonvention (UNHCR, 1951)
  • Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UN, 1966)
  • Europäische Menschenrechtskonvention (Europarat)
  • Charta der Grundrechte der Europäischen Union
  • UNHCR
  • OHCHR
  • Amnesty International
  • Human Rights Watch
  • Freedom House
  • Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
  • Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.