Hier ist eine Filmkritik von „Bonhoeffer“ (2024). Der Film erzählt die Biografie Dietrich Bonhoeffers von seiner Kindheit über sein Theologiestudium in New York (inklusive Begegnung mit Rassismus und dem afroamerikanischen Glaubensleben) bis zu seinem Widerstand gegen den Nationalsozialismus und letztlich seiner Hinrichtung im April 1945.
Die internationale Fassung setzt dabei starke dramaturgische Schwerpunkte auf Spannung und Action, während die deutsche Version auf historische Genauigkeit achtet – z. B. ohne die ikonische Gun-Poster-Werbung .
Positives am Film
- Starke schauspielerische Leistungen: Deutsche Hauptdarsteller wie Jonas Dassler, August Diehl und Moritz Bleibtreu überzeugen visuell und emotional
- Zeitlose Relevanz: Der Regisseur und Kritiker betonen, dass der Film wichtige Fragen zu Widerstand, Antifaschismus und zivilgesellschaftlicher Verantwortung aufwirft – Themen, die heute hochaktuell bleiben.
- Bewegende Bildsprache: Insbesondere Szenen wie das letzte Abendmahl im Gefängnis berühren viele Zuschauer tief .
Kritikpunkte am Film
- Historische Ungenauigkeiten & Dramatisierung:
- Der Film nimmt sich Freiheiten, etwa durch fiktional dargestellte Jazzauftritte in Harlem oder fragwürdige Attacken in US-Hotels .
- Szenen wie die erinnerungsschwere Gefängnis-Hinrichtung wirken stilisiert und kitschig – teilweise vergleichbar mit Kreuzigungsdarstellungen.
- Die Chronologie von Ereignissen wird für dramaturgische Wirkung verändert .
- Verflachung theologischer Tiefe:
- Bonhoeffer wird häufig als heroischer Erlöser inszeniert, dabei bleiben seine inneren Konflikte mit Gewalt und Moral eher an der Oberfläche.
- Die komplexe theologische Auseinandersetzung mit „Gefährdung des Rechts“ und „billiger Gnade“ wird kaum dargestellt.
- Politisierung & Instrumentalisierungsdebatte:
- Vor allem in den USA wurde der Film durch Marketing (Gun-Poster, Plot als Attentäter) von evangelikalen Gruppen vereinnahmt, was bei Wissenschaftlern und Bonhoeffer-Nachfahren scharfe Ablehnung nach sich zog.
- Deutsche Kirchenvertreter (EKD) und Historiker warnen vor einer Verfälschung – jedoch sehen sie in der europäischen Fassung einen differenzierteren Zugang .
Bewertung & Empfehlung
| Aspekt | Bewertung |
|---|---|
| Schauspiel | ⭐⭐⭐⭐ – Starke, engagierte Darsteller, glaubwürdige Charaktere |
| Inszenierung | ⭐⭐ – Solide, aber teils überkitschig, dramaturgisch altmodisch |
| Historische Genauigkeit | ⭐ – Viele Freiheiten mit Fakten, teilweise Irritation bei Experten |
| Nachhaltiger Eindruck | ⭐⭐⭐ – Regt zur Diskussion an, wenn man ihn im bewussten Kontext sieht |
Fazit: Es schwächelt an Tiefe
„Bonhoeffer“ ist ein visuell eindrucksvoller und emotionaler Zugang zu Bonhoeffers Leben, der jedoch in historischer und theologischer Tiefe schwächelt. Wer bereit ist, den künstlerischen und politisch instrumentellen Hintergrund zu reflektieren, findet einen bewegenden Film mit kritischer Funktion. Wer hingegen eine Biografie sucht, wird enttäuscht sein. Wir finden den Titelsong von Lauren Daigle das Beste am Film.
Quellen:
