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Noa Sander von “Widersetzen” will politische Gewalt “zelebrieren”: Antifa-Sprecher fordert bei Strategiedebatte “militanten Antifaschismus”

Die Akzeptanz und Begründung ideologisch motivierter Gewalt erreicht im extremistischen Milieu in Deutschland eine neue Stufe der Enthemmung. Bei einer von der Szene organisierten Strategiedebatte in Hamburg hat der Sprecher des Antifa-Aktionsbündnisses „Widersetzen“, Noa Sander, offen für den Einsatz gewaltsamer Methoden im politischen Auseinandersetzungsprozess geworben. Vor dem Hintergrund des bundesweiten Umfrager Hochs der AfD und gescheiterter Versuche, Parteitage vollständig zu verhindern, forderte Sander, den bisherigen „szenigen Antifaschismus“ hinter sich zu lassen. Stattdessen gelte es nun, eine militante Praxis im Kampf gegen den politischen Gegner künftig stärker zu „zelebrieren“ und systematisch auf der Straße zu verankern.

Extremistische Rhetorik auf offener Bühne

Die Podiumsdiskussion unter dem Titel „Antifaschismus im Herbst“ fand am vergangenen Sonntag im Hamburger Metropolis Kino statt. Eingeladen hatte die linksextrem orientierte Szenezeitung analyse & kritik (ak) unter dem programmatischen Motto „Antifa, wie weiter?“. Die Podiumsbesetzung verdeutlichte die Vernetzung innerhalb der Szene: Sander wurde nicht nur als Sprachrohr des Aktionsbündnisses Widersetzen vorgestellt, sondern auch als aktives Mitglied der Interventionistischen Linken (IL) – einer Organisation, die seit Jahren vom Bundesamt für Verfassungsschutz als scharnierartige Struktur zwischen gewaltfreiem Protest und gewalttätigem Linksextremismus beobachtet wird.

Noa Sander nutzte das Forum vor einem dezidiert linken Publikum, um eine langfristige Radikalisierung der antifaschistischen Strategie anzukündigen. Es reiche nicht mehr aus, Proteste punktuell zu organisieren; die antifaschistische Bewegung müsse sich auf einen jahrelangen „Abwehrkampf“ einstellen.

Das Bekenntnis zur Militanz und die Entmenschlichung des Gegners

Die Kernbotschaft der Hamburger Debatte lag in der expliziten Rechtfertigung und Aufwertung gewaltsamer Aktionsformen. Sander bezeichnete den „militanten Antifaschismus“ ausdrücklich als „wirksame Strategie“, die sich in der Vergangenheit beim Zurückdrängen von politischen Mitbewerbern aus dem öffentlichen Raum bewährt habe.

Besonders alarmierend ist dabei die geforderte Haltung gegenüber der Gewalt: Diese soll nicht mehr nur als notwendiges Übel im Verborgenen stattfinden, sondern aktiv als identitätsstiftendes Element gefeiert werden. Die Bewegung müsse – so Sander wörtlich – „die Fähigkeiten erhalten“, weiterhin militant aufzutreten und diese Ausrichtung offen im Kollektiv zu „zelebrieren“. Demgegenüber stoße die bürgerlich-orientierte oder rein symbolische Protestform heute an ihre Leistungsgrenzen und sei im gegenwärtigen politischen Klima „nicht mehr das, was funktioniert“.

Neben der Befürwortung von Gewalt zeigte sich die zunehmende Verrohung der Sprache. Im Zusammenhang mit der Programmatik der AfD Sachsen-Anhalt bediente sich der Bündnissprecher einer dehumanisierenden Rhetorik. Er bezeichnete den stellvertretenden AfD-Landesvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider abfällig als den „Hund, der in Sachsen-Anhalt das Parteiprogramm geschrieben hat“. Dass diese verbale Entgleisung im Saal nicht etwa zu Widerspruch, sondern zu Heiterkeit und Lachen führte, unterstreicht die Akzeptanz solcher Entmenschlichungsmuster innerhalb der vertretenen Subkultur.

Vorgeschichte: Relativierung von Übergriffen auf Journalisten

Die Hamburg-Aussagen reihen sich nahtlos in frühere Entgleisungen des Bündnissprechers ein. Bereits vor einigen Wochen war Sander in die Kritik geraten, als er körperliche Übergriffe und Blockadeaktionen gegen Medienvertreter am Rande von Erfurter Protesten rechtfertigte. Damals bilanzierte er die Angriffe auf Reporter mit der Äußerung:

„Faschistinnen mit einem Presseausweis sind immer noch Faschistinnen.“

Auf dem Hamburger Podium spielte die Aufarbeitung dieser Gewalt gegen die freie Berichterstattung jedoch keine Rolle. Im Gegenteil: Sander erklärte, er blicke nach wie vor „sehr hoffnungsvoll“ auf die Erfurter Geschehnisse zurück und ziehe aus der Bereitschaft Tausender Aktivisten zum zivilen Ungehorsam und zur Eskalation neue Motivation für künftige Aktionen.

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Eckdaten der Strategiedebatte im Überblick

ParameterAusprägung und Details
VeranstaltungsformatPodiumsdiskussion „Antifaschismus im Herbst“ (Metropolis Kino, Hamburg)
OrganisatorSzenezeitung analyse & kritik (ak)
Zentraler AkteurNoa Sander (Sprecher Widersetzen, Kader der Interventionistischen Linken)
Strategisches ZielAblösung des „szenigen“ Protests durch militante Straßenstrategien
HauptforderungMilitanten Antifaschismus als „wirksames Mittel“ beibehalten und „zelebrieren“
Rhetorische MittelEntmenschlichung politischer Gegner („Hund“), Legitimation von Gewalt gegen Medien

Die Gefahr der systematischen Normalisierung politischer Gewalt

Die schockierenden Aussagen von Noa Sander werfen ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die weit über das linksextreme Spektrum hinausreicht. In Teilen der Zivilgesellschaft und der Medien wird das Bündnis Widersetzen häufig als legitimer Akteur des „zivilen Ungehorsams“ dargestellt. Die Äußerungen des offiziellen Sprechers zeigen jedoch, dass die Trennlinie zwischen friedlichem Protest und ideologischer Gewalt bewusst verwischt wird.

Wenn ziviler Ungehorsam als Vorwand genutzt wird, um physische Gewalt, die Angriffe auf Journalisten und die Vorbereitung militanter Truppenteile zu kaschieren, verliert der Begriff seine rechtsstaatliche Legitimation. Die Entmenschlichung von Abgeordneten im Verbund mit dem Aufruf, Straßengewalt zu feiern, markiert die Eskalationsstufe einer Bewegung, die das staatliche Gewaltmonopol nicht nur ablehnt, sondern aktiv bekämpft.

Für eine wehrhafte Demokratie und den Erhalt des inneren Friedens ist die konsequente Ächtung jeder Form politischer Gewalt essenziell. Wenn die Akzeptanz von Extremismus im linken Gewand schleichend Einzug in den öffentlichen Diskurs hält, droht die Rolltreppe der Gewalt auf Deutschlands Straßen irreversibel an Fahrt aufzunehmen.

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