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AfD sei auf Gamescom “nicht willkommen”: Branchenverband Game schließt die politische Opposition aus – und schadet damit der Demokratie und der Gaming-Industrie

Ein Gespenst geht um in den Etagen deutscher Branchenverbände und Messegesellschaften: die Angst vor dem echten, unberechenbaren Diskurs. Was einst als Feier der Popkultur, der technologischen Innovation und des weltweiten Austauschs konzipiert war, wird zunehmend zum Schauplatz weltanschaulicher Selbstreinigung. Die Ankündigung des Branchenverbandes Game, Vertreter einer gewählten parlamentarischen Partei – konkret der AfD – pauschal von der Kölner Gamescom auszuschließen, ist mehr als nur eine verurteilenswerte Episode im politisch-medialen Betrieb. Sie ist ein besorgniserregendes Symptom für die Verengung des politischen Raumes in Deutschland, in dem das Ausgrenzen gewählter Oppositioneller zum guten Ton erhoben wird.

Der verengte Debattenraum: Wenn Gesinnungsprüfungen den Diskurs ersetzen

Eine freiheitliche Demokratie lebt vom Prinzip der Inklusion, von der Zumutung des Abweichenden und vom offenen Streit. Wer die Grundsätze des Rechtsstaats ernst nimmt, überlässt die Feststellung von Verfassungsfeindlichkeit den dafür vorgesehenen Gerichten – nicht den PR-Strategen von Branchenverbänden oder den Geschäftsführern von Messegesellschaften. Wenn der Geschäftsführer des Verbandes Game, Felix Falk, erklärt, die AfD passe „schlicht überhaupt nicht zu unseren Werten“, erhebt sich ein Wirtschaftsverband eigenmächtig zur Gesinnungsprüfungsinstanz über Millionen Bürger, Steuerzahler und Videospiel-Enthusiasten.

Hier zeigt sich eine Logik, die den politischen Raum Schritt für Schritt entleert. Wo früher die inhaltliche Argumentation stand, dominiert heute das Instrument des Deplatforming – der Entzug von Tribünen, Hallen, Werbeflächen und Diskussionsforen. Diese Taktik versucht gar nicht erst, den politischen Gegner argumentativ zu stellen oder gesellschaftliche Konflikte im Debattenraum aufzuarbeiten. Sie versucht, ihn unsichtbar zu machen. Doch die Annahme, dass man politische Strömungen, die von Millionen Menschen gewählt werden, durch Zutrittsverbote auf einer Messe aus der Welt schaffen könnte, ist nicht nur naiv, sondern tief demokratiefeindlich.

Die Doppelmoral der Toleranz: Ein selektiver Begriff von Vielfalt

Besonders paradox wirkt das Vorgehen, wenn man die Begründungen der Messeleitung genauer analysiert. Gebetsmühlenartig wird betont, man stehe für „Vielfalt“, für ein „respektvolles Miteinander unterschiedlicher Perspektiven“ und für eine „offene Gesellschaft“. Wer diese Begriffe jedoch beim Wort nimmt, muss feststellen, dass sie in der aktuellen Praxis zur bloßen Fassade verkommen.

Toleranz erweist sich nicht dort, wo man sich im Kreise Gleichgesinnter gegenseitig die eigenen Werte bestätigt. Echte Toleranz zeigt sich genau an den Schnittstellen, an denen es wehtut, an denen unbequeme, scharfe und oppositionelle Positionen aufeinandertreffen. Wenn eine Leitmesse wie die Gamescom den Begriff der „Offenheit“ so umdeutet, dass er nur noch für denjenigen Teil des politischen Spektrums gilt, der den eigenen korporativen Konsens teilt, betreibt sie Etikettenschwindel. Die versprochene Vielfalt schrumpft zu einer homogenen Wohlfühlblase zusammen, in der abweichende Stimmen systematisch vor der Tür gehalten werden.

Die Kausalität der Verdrängung: Symbolpolitik statt echter Debatte

Diese Form des Messe-Aktivismus entfaltet eine Verdrängungswirkung, die weit über das Kölner Messegelände hinausreicht:

  • Beförderung von Parallelöffentlichkeiten: Indem etablierte Institutionen oppositionellen Akteuren den Raum für die Teilnahme am allgemeinen gesellschaftlichen Diskurs verweigern, drängen sie diese Akteure und deren Anhängerschaft in isolierte Parallelstrukturen. Dies befeuerte genau jene Segregation der politischen Öffentlichkeit, die man vorzugeben bekämpft.
  • Instrumentalisierung durch die Staatsspitze: Es hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, wenn auf derselben Veranstaltung der Bundespräsident als Ehrengast empfangen und für seine Haltung gefeiert wird, während gewählte Abgeordnete der Opposition ausgeschlossen bleiben. So wird eine vermeintlich neutrale Branchenplattform zur Bühne für staatstragende Ausgrenzungsrituale entfremdet.
  • Märtyrereffekt und Vertrauensverlust: Für das Wählerpotenzial der Opposition wirkt der Ausschluss keineswegs als Abschreckung. Er bestätigt vielmehr das Narrativ einer kartellartigen Allianz aus Medien, Verbänden und Politik, die den Wettbewerb der Ideen fürchtet und sich mit Ausgrenzungsmechanismen vor Kritik schützen will.

Politische Verfolgung im digitalen und kulturellen Zeitalter

Wenn wir über politische Repression und den Druck auf die Opposition im 21. Jahrhundert sprechen, dürfen wir den Blick nicht nur auf historische oder klassische Formen staatlicher Verfolgung verengen. Repression beginnt heute viel subtiler. Sie manifestiert sich in der schrittweisen gesellschaftlichen Ächtung, in Aufrufen zum Boykott von Medien, in der Kündigung von Bankkonten und eben im systematischen Ausschluss oppositioneller Politiker aus dem öffentlichen Raum.

Wo Verbände beginnen, sich als Verfassungsschützer aufzuspielen, und wo Kultur- und Industriemessen zu gesinnungspolitisch gesäuberten Zonen werden, wird die Basis der freien Meinungsbildung beschädigt. Es entsteht ein Klima der Schere im Kopf: Firmen, Künstler und Entwickler müssen fürchten, selbst in den Strudel der Verpönung zu geraten, wenn sie sich nicht lautstark zur offiziellen Verbandslinie bekennen oder Kontakte zur falschen Seite pflegen.

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Fazit: Zurück zur Stärke einer echten Kontroverse

Eine selbstbewusste Demokratie braucht keine Mauern – weder im Kopf noch vor Messehallen. Die Absage der Gamescom an die parlamentarische Opposition ist kein Zeichen von Haltung oder gesellschaftlicher Stärke, sondern ein Armutszeugnis einer verunsicherten Debattenkultur.

Videospiele und die globale Gaming-Kultur zeichnen sich seit jeher dadurch aus, dass sie Menschen unterschiedlichster Herkunft, Überzeugung und Lebensentwürfe zusammenbringen. Ein Verband, der diese Kultur vertritt, sollte die Größe besitzen, die politische Realität auszuhalten und Konflikte offen auszutragen, anstatt sich in gesinnungsethischer Wohlfeilheit zu ergehen. Die Aufgabe einer offenen Gesellschaft ist es nicht, die Opposition wegzusperren – sondern ihre Argumente mit besseren Argumenten zu stellen. Wer stattdessen auf Ausgrenzung setzt, schadet am Ende genau jener Demokratie, die er zu schützen vorgibt.

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