Zum Inhalt springen

Jubelperser und Staatsgewalt: Politische Verfolgung durch den Iran in der Bundesrepublik Deutschland (1967)

    Der 2. Juni 1967 markiert einen der dunkelsten Tage in der Geschichte der Bundesrepublik. Was als Staatsbesuch des iranischen Schahs Mohammad Reza Pahlavi begann, endete in einem blutigen Exzess staatlich geduldeter Gewalt und dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg. Auf politischeverfolgung.de beleuchten wir die Hintergründe der sogenannten Jubelperser und wie die Bonner Republik die Jagd auf Oppositionelle auf deutschem Boden ermöglichte.

    Die Jubelperser: Schlägertrupps im Auftrag des Schahs

    Hinter dem heute fast vergessenem Begriff „Jubelperser“ verbarg sich eine perfide Strategie des iranischen Geheimdienstes SAVAK. Um das Bild einer harmonischen Herrschaft des Schahs im Ausland zu wahren, wurden rund 150 Agenten und gedungene Schläger eingeflogen.

    • Tarnung: Ausgerüstet mit Fähnchen und Porträts des Kaiserpaars, sollten sie als begeisterte Anhänger auftreten.
    • Realität: Unter ihren Mänteln verbargen sie Holzlatten, Totschläger und Stahlruten. Ihr Auftrag war die physische Liquidierung des Protests iranischer Exilanten und deutscher Studenten.

    Das Versagen des Rechtsstaats: Die „Leberwursttaktik“

    Das Erschreckende an den Ereignissen des 2. Juni 1967 war nicht allein die Gewalt der ausländischen Agenten, sondern das aktive Wegsehen und Mitwirken der deutschen Sicherheitsorgane.

    Vor dem Rathaus Schöneberg ereignete sich ein beispielloser Zivilisationsbruch: Während die Schlägertrupps des Schahs auf Demonstranten einschlugen, griff die Berliner Polizei nicht ein. Im Gegenteil: In der sogenannten „Leberwursttaktik“ kesselte die Polizei die Demonstranten ein und drückte sie in die Mitte, wo sie sowohl von den Polizisten als auch von den SAVAK-Agenten misshandelt wurden.

    „Dass ein ausländischer Geheimdienst auf deutschem Boden Jagd auf Menschen macht, während die heimische Polizei Schützenhilfe leistet, ist das Markenzeichen einer Ära, in der wirtschaftliche Interessen über Grundrechte gestellt wurden.“

    Der Fall Benno Ohnesorg: Ein staatlich gedeckter Mord?

    Der Abend vor der Deutschen Oper in Berlin brachte die Eskalation. Der Student Benno Ohnesorg, der zum ersten Mal an einer Demonstration teilnahm, wurde von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras in einem Hinterhof erschossen.

    • Justizskandal: Kurras wurde in zwei Prozessen freigesprochen. Erst Jahrzehnte später, im Jahr 2009, wurde er als IM der Stasi enttarnt – ein Detail, das oft genutzt wird, um von der Mitverantwortung der West-Berliner Polizeiführung abzulenken.
    • Repression durch die Presse: Die Axel-Springer-Presse (insbesondere BILD) hatte die Stimmung im Vorfeld so massiv angeheizt, dass die Gewalt gegen Studenten in weiten Teilen der Bevölkerung als „notwendiges Durchgreifen“ legitimiert wurde.

    Analyse: Politische Verfolgung damals und heute

    Die Parallelen zur heutigen Zeit sind für Beobachter auf politischeverfolgung.de unverkennbar. Auch heute erleben wir eine Entgrenzung staatlicher Mittel, wenn es gegen die „falsche“ Opposition geht.

    MerkmalDie Bonner Republik (1967)Die Berliner Republik (heute)
    Sündenbock„Linksradikale Studenten“„Rechtsextreme / Delegitimierer“
    MethodikPhysische Gewalt & JubelperserSoziale Vernichtung & Deplatforming
    Rolle der PresseBild schoss mit (Stimmungsmache)Einseitige Framing-Kampagnen
    ZielSchutz ausländischer Despoten (Öl)Schutz der eigenen Machtpositionen

    Fazit: Das Erbe der Jubelperser

    Die Geschichte der Jubelperser zeigt, dass die Bundesrepublik nie immun gegen autoritäre Reflexe war. Wenn Staatsinteressen (damals Öl und Geopolitik, heute ideologische Transformation) auf dem Spiel stehen, wird der Schutz des Einzelnen vor Gewalt zweitrangig.

    Die Ereignisse von 1967 dienen uns als Mahnung: Politische Verfolgung beginnt dort, wo der Staat beginnt, zwischen „wertvollem“ Jubel und „gefährlichem“ Protest zu unterscheiden.


    Mehr Inhalte zum Iran

    Die Chronik der Repression: Eine gemeinsame Geschichte der politischen Verfolgung von Iran und Deutschland

    Politische Verfolgung im Iran 2026: Im Schatten des Krieges – Massaker und stille Verfolgung

    Der lange Arm Teherans: Transnationale Repression durch den Iran in Deutschland

    Köln: Brennpunkt des Widerstands und Zielscheibe des iranischen Regimes


    Diesen Beitrag gegen politische Verfolgung teilen:

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert